Der Füller ist ein besonderes Schreibgerät.
Der Füller ist ein besonderes Schreibgerät.
Foto: Miaskribo/canva.com

Füllfederhalter: Ein Schreibgerät mit Charakter

Füllfederhalter gelten als das Aushängeschild unter den Schreibgeräten und werden deshalb von den Herstellern in unendlich vielen Varianten angeboten. Zudem sind sie recht anspruchsvoll in der Handhabung, haben einen eigenen Charakter

Bei Füllfederhaltern ist es ein bisschen wie beim Besen von Harry Potter. Der Besen sucht sich seinen Besitzer aus und nicht umgekehrt. Tatsächlich führt die Mischung aus Design, Schreibgefühl und genereller Haptik zu einer kaum vorhersehbaren Kaufentscheidung, weshalb eigentlich jeder dazu rät, einen Füller auszuprobieren, bevor er gekauft wird. Gute Händler bieten dabei Vorführgeräte an, die richtig mit Tinte betankt sind.

Viele Aspekte spielen bei der Füller-Wahl eine Rolle

Beim Füller spielt natürlich die verwendete Feder eine große Rolle: Gold-Federn schreiben tendenziell deutlich weicher, als Stahlfedern. Bei teureren Federn sind beide eingeschrieben, sodass sie tendenziell weniger kratzig schreiben, als günstige. Je länger die Goldfeder ist, desto phlegmatischer reagiert sie auf unterschiedlichen Druck, ein Vorteil: Sie sind zwar deutlich teurer als die kürzeren Verwandten, aber fast jeder kann damit gut und ermüdungsfrei schreiben. Fast – das ist das entscheidende Stichwort: Es gibt auch Menschen, die überhaupt keinen Unterschied zwischen einer Stahl- und Goldfeder spüren. Und es gibt Menschen, für die es einen riesigen Unterschied macht. Und es gibt auch sehr günstige Füller, die dennoch sehr gut schreiben. Deshalb ist das Ausprobieren so wichtig.

Nicht vergessen darf man auch die Rolle, die Tinte und Papier spielen: Schreibt der Füller auf dem einen Papier und mit der einen Tinte ungleichmäßig, wirkt er bei anderen Varianten im wahrsten Sinne wie ausgewechselt. Auch deshalb raten Experten dazu, zum Ausprobieren beim Händler das eigene Papier mitzubringen.

Füllfederhalter ist ein Schreibgerät mit Tradition

Wer sich heute für den Kauf eines Füllfederhalters entscheidet, macht das ganz bewusst und auch ein bisschen gegen den generellen Trend. Längst wurde er in der Bedeutung von Tintenroller und Kugelschreiber verdrängt. Dennoch ist er weiterhin der Inbegriff für Handschrift und Schönschrift.

Die Geschichte des Füllfederhalters, so wie wir ihn heute kennen, ist alt – und geht auf eine Marke zurück, die noch heute sehr bekannt ist. Denn: Am 12. Februar 1884 wurde er durch den Versicherungsvertreter Lewis Edson Waterman erfunden. Der Grund dafür: Er konnte einen wichtigen Vertrag nicht abschließen, weil ein Füller undicht war. Die Tinte ergoss sich über die Formulare. Das verärgerte den Geschäftsmann so sehr, dass er versuchte, für das Problem eine Lösung zu finden. So entwickelte er einen Federhalter mit drei Kanälen im Schaft, die den Tintenfluss regulieren. Das Hineintröpfeln der Tinte mit einer Pipette oder das ständige Hineintunken der Feder war nun nicht mehr nötig. Bereits im selben Jahr begann er mit der Produktion seiner Füller und verkaufte davon zunächst 500 Stück. 1900 erhielt er für seine Erfindung auf der Pariser Weltausstellung die Goldmedaille. Heute ist die Firma Waterman der zweitgrößte Produzent von Füllfederhalter weltweit.

Dabei gibt es heute vor allem zwei Modelle: den Kolben- und den Konverterfüller. Während der Kolbenfüller ein komplett geschlossenes System ist, bei dem die Tinte über die Feder aufgesogen wird, kann in den Konverterfüller auch eine normale Tintenpatrone eingelegt werden. Oder eben alternativ ein Konverter verwendet werden, der dann wiederum das Aufziehen der Tinte aus einem Fass ermöglicht.

Auch das hat Charakter, wie eben das ganze Schreibgerät.

joergstroisch

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